Triathlon
T minus zwei Minuten.
In zwei Minuten ist T. T steht für Take-Off. Take-Off heißt Start. In zwei Minuten wird also gestartet. Wir Starter stehen in einer langen Reihe nebeneinander. Unsere Gummihäute tropfen. Rudi macht Fotos. Cholo macht Lockerungsübungen. Herr Schmidt ist nicht zu sehen und das liegt nicht daran, dass meine Schwimmbrille so zerkratzt ist. Ich versuche, meine Nervosität zu verstecken. Vor allem vor mir selbst. Was die gut hundert anderen Starter machen, die meisten davon befinden sich zu unserer Rechten, da wir uns ganz links aufgestellt haben, wo hoffentlich das Gerangel gering sein wird, weiß ich nicht. Es soll mir auch egal sein. Ich soll mich ganz darauf konzentrieren, was ich selbst mache. Fokussieren. Was ich mache? Nervös sein. Nervös sein und versuchen, nicht allzu sehr daran zu denken, was ich gleich machen werde. Was ich gleich machen werde? Ins kalte Wasser springen. Schwimmen. Auf einen harten Fahrradsattel umsteigen. Radeln. Absteigen. Laufen.
OK, ich gebe es ja schon zu. Es hilft nichts, die anderen hier haben es bestimmt längst gesehen und gehen nur aus Höflichkeit darüber hinweg. Ich bin gar kein Triathlet. Ich bin nur ein Typ, der das vergangene Jahr damit verbracht hat, ein Triathlet werden zu wollen. Ich bin viel geschwommen, ich bin viel geradelt. Viel gelaufen bin ich auch, für meine Verhältnisse. Aber ein Triathlet bin ich deswegen noch lange nicht. Ich habe nämlich noch keinen Triathlon gefinished. Oder sagt man gefinisht? Ich weiß es, wie so vieles, nicht. Das hier ist mein erster Versuch. Wenn ich heute im Ziel ankomme, dann bin ich auch ein Triathlet. Hoffentlich klappt das. Hoffentlich bin ich fit genug. Es kribbelt in meinem Bauch. Das ist die Nervosität. Ich bin schon ganz kurzatmig. Das ist auch die Nervosität. Das ist die Gewissheit, dass ich mich jetzt gleich, in wenigen Sekunden, in eine Situation begeben muss, die ich so doch noch gar nicht kenne, von der ich nicht weiß, ob ich sie durchstehe, auf die ich mich doch noch gar nicht richtig, Moment, warum sind die denn jetzt alle ins Wasser gesprungen, ich habe doch noch gar keinen Startschuss gehört, die schwimmen ja schon alle, jetzt wartet halt mal auf mich. Na, das fängt aber prächtig an: Kaum hat das Rennen angefangen, bin ich schon wieder Letzter.
(So beginnt der Wettkampf. Wie er endet - und wie die Vorbereitung lief - erfahren Sie 2012. Oder wenn Sie mir eine Nachricht schreiben.)
